Familie Schwab/Bloch

Niedere Straße(Niedere Straße, zweites Haus von rechts: Wohnhaus und Geschäft der Familie Bloch, damals)

Die Eheschließung von Michael Bloch und Sofie Schwab verband zwei große Familien der jüdischen Gemeinde Villingens.

Der Vater Sofies, Isaak Schwab  war bereits 1870 von Schmieheim nach Villingen gekommen, seine beiden Brüder Samuel und Marx zogen 1884 nach. Drei der vier Kinder Isaaks waren bereits vor 1890 in die Vereinigten Staaten ausgewandert, einzig seine Tochter Sofie begleitete ihren Vater nach Villingen. Isaak Schwab verstarb 1892, woraufhin Sofie zusammen mit ihrem Mann Michael Bloch 1894 das Haus in der Niederen Straße 43 bezog, welches zuvor Vater Isaak gehört hatte.

Michael Bloch war zusammen mit seinem Bruder Salomon 1892 nach Villingen gekommen. Salomon betrieb hier ein Kleider- und Tuchgeschäft und übernahm später das Amt des offiziellen Vertreters der jüdischen Gemeinde Villingens. Nach seiner Heirat mit Sofie eröffnete Michael in der Niederen Straße 43 ein Textilgeschäft. Ab 1924 betrieben die Blochs zudem noch eine Auswandereragentur.

Insgesamt brachte die Ehe fünf Kinder hervor, von denen jedoch zwei im Säuglingsalter starben. Mit Martha (*1899), Julius (*1893) und Elsa (*1904) lebten die Eltern dann in einer Wohnung im ersten Stockwerk über dem Textilgeschäft. Die ganze Familie war sehr aktiv im Villinger Gemeindeleben, auch außerhalb der jüdischen Gemeinde. So war Vater Michael Bloch Mitglied der Narrozunft, des Kegelclubs und der Freiwilligen Feuerwehr. Sohn Julius war ebenfalls Narro, spielte Fußball beim Villinger Verein FC 08 und war Mitglied im Skiclub. Tochter Elsa war als aktive Spielerin im Tennisclub tätig.

Doch leider bekam die Familie Bloch auch recht bald die Repressionen der Nationalsozialisten gegenüber jüdischen Mitbürgern zu spüren. Es ist beispielsweise belegt, dass das Textilgeschäft, welches Michael Bloch 1933 an seine Tochter Elsa übergeben hatte, zeitweise nur durch den Seiteneingang betreten werden durfte. Somit waren auch die Blochs relativ schnell einem geschäftsschädigenden Boykott durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Schließlich emigrierte Michael Bloch mit seiner Frau Sofie zunächst in die Schweiz und dann mit Tochter Elsa zusammen in die USA, wo er 1953 starb. Sohn Julius hatte sich bereits 1928 das Leben genommen. Das Haus in der Niederen Straße 43 wurde ausgeräumt und alle Gegenstände beschlagnahmt. Eine Versteigerung dieser Gegenstände erbrachte ca. 30.000 Reichsmark, welche das NS – Regime behielt.

1937 war nur noch Tochter Martha Bloch in Villingen ansässig. Sie hatte in ihrer Jugend die St. Ursula Schule kurzzeitig besucht und dann eine Lehre zur Buchhalterin gemacht. 1920 hatte sie den Schwenninger Zahnarzt Max Bikart (ein Bruder von Louis und Hermann Bikart) geheiratet und seitdem in seiner Praxis gearbeitet. Diese wurde 1936 dann von den Nazis geschlossen, was die Blochs zum Handeln zwang. Zusammen mit ihren Kindern Hannah (*1922) und Margot (*1925) flohen Max und Martha 1937 nach Buenos Aires, Argentinien. Sie hatten ihr teures Haus in Villingen mit einem Bekannten gegen ein kleineres Haus in der argentinischen Hauptstadt tauschen können und waren so der Judenverfolgung in Deutschland entgangen. Martha Bikart überlebte ihren Mann um einige Jahre und starb im Alter von 94 Jahren 1993 im Kreise ihrer Kinder und Enkel.

Niedere Straße 43(ehemals Wohnhaus und Geschäft der Familie Bloch, Niedere Straße 43, heute)

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