Familie Schwarz

 

Familie Louis und Berta Schwarz, das kleine Kind am Tisch ist Julie(Familie Louis und Berta Schwarz, das kleine Kind am Tisch ist Julie)

In der Gerberstraße 33 lebte die Familie des Viehhändlers Louis Schwarz über drei Generationen hinweg. Er selbst wurde 1860 in Rexingen geboren und zog mit seiner Familie nach Villingen, um dort 1898 das Haus in der Gerberstraße zu kaufen und darin eine Viehhandlung zu eröffnen. Diese befand sich im Erdgeschoss des Gebäudes, der erste Stock beherbergte die Wohnräume der Familie, sowie den Betsaal der jüdischen Gemeinde Villingens. Somit war das Haus ein wichtiges soziales Zentrum für die gläubigen Juden in der Stadt.

Louis hatte mit seiner Frau Bertha 6 Kinder. Die jüngste Tochter Julie (*1903) besuchte von 1917 bis 1919 die St. Ursula – Schule in Villingen, bevor sie dann bei ihrem Bruder Hugo Heinrich Schwarz (*1892) und dessen Frau Irma in der Gerberstraße wohnte.

Hugo hatte 1927 den väterlichen Betrieb der Viehhandlung übernommen und  engagierte sich stark im Gemeinwesen der Stadt. Er war, wie viele Villinger an der Fasnet als Narro im Häs. Es ist außerdem belegt, dass er einige Jahre als Vorsitzender beim FC 08  Villingen tätig war. Wie viele junge Männer hatte auch Hugo sich für den ersten Weltkrieg freiwillig als Soldat gemeldet und kehrte nach Kriegsende als Schwerkriegsgeschädigter zurück. Mit seiner Frau Irma hatte er drei Kinder: Manfred (*1931), Heinz (*1929) und Margarete (*1928).

Am 1. April 1936 sah sich Hugo gezwungen, das Geschäft in der Gerberstraße 33 aufzugeben. Er konnte dem wachsenden Druck und den überhandnehmenden Repressalien, denen er sich ausgesetzt sah, nicht mehr standhalten. Freunde und Bekannte halfen der Familie Schwarz, in der folgenden Zeit über die Runden zu kommen.

In der Reichspogromnacht am 09.11. 1938 drangen die nationalsozialistischen Schergen in das Haus in der Gerberstraße ein und zerstörten gewaltsam den Betsaal. Das Mobiliar wurde kurz und klein geschlagen, eine wertvolle Standuhr zerstört. Hugo, der seine Familie und auch den Betsaal vor der  zerstörerischen Attacke schützen wollte, wurde von den marodierenden Nazis mitgenommen und einige Zeit im Lager in Dachau gefangen gehalten. Als er von dort nach Villingen zurückkehrte, waren alle wertvollen privaten Gegenstände welche die Familie besessen hatte, von den Nazis beschlagnahmt worden, das Klavier beispielsweise, auf dem die Kinder der Familie spielen gelernt hatten und auch das Auto.

Hugo und Irma schickten ihre Kinder Margarete, Heinz und Manfred wenige Wochen später, im Februar 1939 in die Schweiz und retteten ihnen so das Leben. Die Rettung der Kinder verschlang allerdings den gesamten Erlös aus dem Hausverkauf der Gerberstraße  33, sodass die erwachsenen Familienmitglieder nicht mit ausreisen konnten.

Hugo und Irma selbst wurden am 22. Oktober 1940 mit der Reichsbahn von Villingen ins französische Konzentrationslager Gurs (Südfrankreich) deportiert. Bertha, Hugos Mutter, sowie Schwester Julie kamen ebenfalls nach Gurs. Vater Louis war bereits 1934 verstorben.

Irma, Hugo und Julie wurden kurze Zeit später ins Vernichtungslager Auschwitz überführt und starben in den dortigen Gaskammern im August und September des Jahres 1942.

Hugos und Julies Mutter Bertha verblieb im Arbeitslager Gurs und starb dort 1943 im Alter von 80 Jahren. Sie hatte fast ihr ganzes Leben in Villingen verbracht.

Die Kinder von Hugo und Irma wanderten nach Kriegsende von der Schweiz nach Israel aus.

Gerberstraße 33(ehemals Wohnhaus der Familie Schwarz mit Gebetsraum, Gerberstraße 33)

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