Familie Louis Bikart

Siegmund, Silva Irene, Mutter Jeannette geb. Guggenheim und Ruth(Sigmund, Silva Irene, Mutter Jeannette geb. Guggenheim und Ruth)

Die Familie Bikart lebte über drei Generationen hinweg in Villingen. 1894 kam Viehhändler Sigmund Bikart mit seiner Frau Ernestine (Schwester von Louis Schwarz) von Gailingen nach Villingen und eröffnete hier eine Viehhandlung in der von ihm 1918 gekauften Haus in der Waldstraße 11. Sigmund war im ersten Weltkrieg schwer verwundet worden und hatte daher das Verletztenabzeichen erhalten.

Die Familie hatte insgesamt sechs Kinder, darunter die Söhne Max, Hermann und Louis (sowie Joseph, Jacob und Rosel). Max zog recht bald ins benachbarte Schwenningen um und verdiente dort sein Geld als Zahnarzt. 1920 heiratete er Martha Bloch, eine Tochter des Textilwarenhändlers Michael Bloch. Max´ Bruder Hermann Bikart kaufte in der Villinger Innenstadt das Haus in der Kanzleigasse 6 (heutiges Volkshochschulgebäude) und eröffnete dort eine Viehhandlung.

Louis Bikart übernahm 1918 den väterlichen Viehhandel in der Waldstraße.1920 heiratete er Jeanette Guggenheim und hatte mit ihr drei Kinder: Ruth (*1921), Silva Irene (*1926) und Sigmund (*1922). Im Jahr seiner Hochzeit verstarb sein Vater Sigmund, nach welchem Louis dann seinen einzigen Sohn benannte. Louis war sehr engagiert im Villinger Gemeindeleben und zusammen mit Hugo Schwarz zeitweise Vorstand des FC 08 Villingen. Auch nahm er als Narro aktiv an der Fasnet teil. Im ersten Weltkrieg war er Soldat gewesen und für seine Dienste mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Mit der Machtzunahme der Nationalsozialisten wurde die Situation für die Bikarts immer schwieriger und gefährlicher. Die Straße, in der Louis seine Viehhandlung hatte, wurde recht bald nach der Machtergreifung von Waldstraße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. 1936 musste Louis Bikart sein Geschäft aufgrund des Arbeitsverbots für Juden schließen. So fasste er im selben Jahr den Entschluss mit seiner Familie aus Deutschland zu fliehen. Für alle ein schwerer Abschied, waren doch auch die Kinder in Villingen groß geworden: Tochter Ruth Bikart hatte von 1935 bis 1936 noch die St. Ursula Schule besucht, Sohn Sigmund die Jungenschule, heute Karl-Brachat-Realschule, wo er jedoch immer stärkeren Anfeindungen ausgesetzt war. Durch einen Haustausch gelang der Familie die Flucht nach Paris, wo sie allerdings auch nur bis zum deutschen Überfall auf Frankreich 1940 sicher waren.

In diesem Jahr wurde das Haus der Bikarts in Paris von deutschen Soldaten besetzt und Vater Louis, Mutter Jeanette, sowie die Töchter Ruth und Silva Irene wurden nach Auschwitz deportiert, wo allesamt umkamen. Einzig und allein Sohn Sigmund war vor der bevorstehenden Deportation gewarnt worden und ging in den Untergrund. Er schloss sich den Widerstandskämpfern um Charles de Gaulle an, wurde dann aber auch 1942 verhaftet und ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Wie durch ein Wunder überlebt er das Todeslager und wurde 1945 von den amerikanischen Truppen befreit. Bei seiner Befreiung wog er 35 Kilogramm.

Sigmund Bikart hatte seine Eltern und Geschwister, seine ganze Familie verloren. Nach Kriegsende zog er nach Frankreich, wo seine Kinder und Enkel bis heute leben. Sein Sohn Pierre-Louis Bikart besuchte Villingen bereits mehrere Male und setzte sich auch stark für die Verlegung der Stolpersteine ein, zum Gedenken an seine Familie und an alle anderen Familien, welche der Antisemitismus im dritten Reich das Leben kostete.

Louis Bikart(Louis Bikart, unten links, in der 1. Mannschaft des FC 08, 1913)

Ein Gedanke zu „Familie Louis Bikart

  1. C’est avec beaucoup d’émotion et d’intérêt que j ai lu l’hommage que vous avez rendu aux Familles Juives de Villigen. C’est un travail de recherche et de mémoire admirable que vous avez effectué. La transmission de l’histoire aux jeunes générations est primordiale. J’ai moi-même cinq enfants et grâce à vous ils auront une trace écrite de l’histoire de leurs Famille BIKART à Villigen. C’est un peu une manière de les faire revivre afin que jamais ils ne tombent dans l’oubli. Je vous remercie infiniment au Nom de toute la Famille BIKART.

    JEANNETTE-RUTH-SYLVA LEVY-BIKART

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